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Spurensuche in der Feuerwache Magdeburg

Ausstellungsdokumentationen der Galerie Süd in Magdeburg 1979–1989

Nadja Gröschner, Kulturhistorikerin und Geschäftsführerin des Kulturzentrum „Feuerwache“ /PAAK e.V., Magdeburg, hatte uns darauf aufmerksam gemacht, dass Ausstellungsdokumentationen von 1979–1989 Galerie Süd, Magdeburg, in der „Feuerwache“ archiviert sind.
Im Sommer 2025 traf sich Jutta Jahn mit Nadja Gröschner in der Feuerwache in Magdeburg und konnte Einsicht die archivierten Unterlagen zur Ausstellungstätigkeit der Galerie im Zeitraum von 1979–1989 Einsicht nehmen.

Kurz zur Geschichte Galerie Süd

1979 wurde die Galerie unter dem Dach des Staatlichen Kunsthandels der DDR in der Halberstädter Straße 119 im Stadtteil Sudenburg eröffnet. 
In der DDR-Zeit dienten solche Galerien oft primär dem Verkauf von Kunstwerken und der ästhetischen Erziehung.
1984 wurde die Galerie in kommunale Trägerschaft der Stadt Magdeburg überführt. Viele offizielle Chroniken nennen daher 1984 als das Gründungsjahr der städtischen Galerie Süd.
Die Galerie existiert als Kunststandort seit 1979, agiert aber seit 1984 unter dem heute bekannten Namen und Profil als (ehemals) städtisch geprägte Institution. 
Im Mai 2000 zog die Galerie an ihren heutigen Standort in die ehemalige Feuerwache Sudenburg (Halberstädter Straße 140) um. Zeitgleich wechselte die Trägerschaft von der Stadt zum Verein PAKK e.V. (Podium Aller Kleinen Künste), der die Galerie seither als Teil des soziokulturellen Zentrums „Feuerwache“ betreibt.

Ausstellungstätigkeit während der DDR-Zeit

Von 1979 bis 1989 fanden 71 Ausstellungen statt, dazu gehörten auch Ausstellungen von verschiedenen Zirkeln Künstlerischen Volksschaffens (Man schätzt, dass der Anteil von Ausstellungen des Künstlerischen Volksschaffens in solchen Galerieformen ca. 20% betrug).
In mehreren Fotobänden sind die Ausstellungen mit Fotos und Einladungsmaterialien gut dokumentiert.
Vorhanden sind auch gut geführte Gästebücher.
Die Fotodokumentationen der Ausstellungseröffnungen zeugen vom hohen Interesse an den Zeugnissen von künstlerischem Schaffen, wobei der Schwerpunkt der Galerietätigkeit auf Künstlerinnen und Künstler des regionalen Umfelds lag.
Zahlreiche Gäste waren zu den Eröffnungen anwesend und auch die ebenso zahlreichen Gästebucheinträge belegen, wie interessiert und umfangreich sich Besucherinnen und Besucher in den Gästebüchern zur entsprechenden Ausstellung äußerten und mit den Kunstobjekten auseinandersetzten. (Gästebücher sind ab der 24. Ausstellung vorhanden.)

Insofern sind diese Dokumentationen auch ein guter Spiegel dafür, wie im Rahmen des kulturpolitischen Leitbildes der DDR die Galerie Süd als Brückenglied zwischen professioneller Kunstproduktion und der breiten Bevölkerung fungierte. 

Ausstellungen von Künstlerinnen in der Galerie von 1979-1989

Sechzehn Ausstellungen in diesem Zeitraum zeigten Arbeiten von Künstlerinnen:
1979 (2. Ausstellung) Hiltrud Pforte, Federzeichnungen
1979 (3. Ausstellung) Martina Stark, Grafik, Applikationen
1980 (9. Ausstellung) Annette Blume (verh. Groschopp), Grafik und Collagen
1980 (11. Ausstellung) Ingrid Eckebrecht, Malerei, Grafik
1981 (14. Ausstellung) Sabine Linge, Malerei, Grafik
1982 (20. Ausstellung) Gisela Renker, Fotografie
1985 (26. Ausstellung) Annelotte Spieß, Malerei
1984 (29. Ausstellung) Sabine Linge, Grafikmappe „Mütter der Welt im Kampf um den Frieden“
1985 (35. Ausstellung) Hedi Sill, Malerei, Grafik
1985 (36. Ausstellung) Annedore Policek, Malerei, Grafik
1986 (38. Ausstellung) Ursula Rassau, Scherenschnitte 
1987 (52. Ausstellung) Annedore Policek, Malerei, Grafik, Zeichnung
1987 (55. Ausstellung) Jutta Hilse, Keramik
1988 (60. Ausstellung) Annette Groschopp, Grafik
1988 (68. Ausstellung) Gudrun Petersdorff, Malerei, Grafik
1989 (70. Ausstellung) Annelotte Spieß, Aquarelle

Fotos: Bildauswahl aus den Ausstellungsdokumentationen und Gästebüchern der Galerie Süd