Das weite Feld der Keramik: Renate Luckner-Bien im Gespräch über die Bildhauerin Gertraud Möhwald (1929 – 2002)
„Ich bin 1929 in Dresden geboren. Nach dem Abitur machte ich dort eine Handwerkslehre als Steinbildhauerin. Von 1950–54 studierte ich Bildhauerei, von 1959–64 Keramik an der Burg Giebichenstein in Halle. Von 1970–89 war ich dort als Lehrerin tätig. Ich bin mit einem Maler verheiratet und habe 4 Kinder.“ Zwei Jahre vor ihrem Tod gibt die weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannte Keramikerin und Bildhauerin Gertraud Möhwald diese knappe Selbstauskunft.
Schon als Schülerin steht für sie fest: „Bildhauer will ich unbedingt werden.“ An der Kunsthochschule Burg Giebichenstein studierte sie zunächst Bildhauerei bei Gustav Weidanz und später ein zweites Mal, diesmal in der Fachrichtung Keramik. Rückblickend sagte sie: „Ich weiß nicht mehr, wie ich auf die Keramik verfiel. Ich weiß nur, daß es mir einfacher erschien, Töpfe zu machen […] Und so begann ich glückselig, das weite Feld der Keramik zu beackern.“
Ihr künstlerischer Weg führte sie vom Gefäß über das Objekt schließlich zur freien figürlichen Plastik. Das keramische Material diente ihr dabei nicht nur als Mittel zum Zweck, sondern besaß für sie einen eigenen Ausdruckswert. So interpretierte sie die traditionelle Bildhauerei neu und verband sie mit Impulsen der Gegenwart. Ihre Torsi, Büsten und Köpfe thematisieren grundlegende menschliche und existenzielle Erfahrungen – Leben und Tod, Freude, Leid und Trauer. Gerade dadurch wirken ihre Arbeiten bis heute zeitlos aktuell.
Die Kunsthistorikerin Renate Luckner-Bien sagt über Möhwalds Werk: „Viele der Plastiken von Gertraut Möhwald sind einfach nur sie selbst, nach Innen gekehrt, mit allen menschlichen Zuständen, Schwierigkeiten und Gefühlen. Und das kann jeder erkennen. Das ist für mich auch das Geheimnis, warum Gertraud Möhwalds Arbeiten überall in der Welt verstanden werden. Das berührt jeden Menschen, der sich das anguckt, ob in Asien oder irgendwo auf der Welt.“
Renate Luckner-Bien veröffentlichte 2025 im Verlag arnoldsche Art Publishers das Buch „Gertraud Möhwald: Bildhauer will ich unbedingt werden“. Mit Abbildungen ausgewählter Werke und zahlreichen erstmals publizierten Texten der Künstlerin nähert sich die Publikation der Frage: Wer war Gertraud Möhwald?
Im Podcast spricht Renate Luckner-Bien über Möhwalds Ausbildung zur Künstlerin sowie ihr Wirken als Dozentin an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Dabei geht es unter anderem um ihre Lebensumstände, künstlerischen Einflüsse, ihren unverwechselbaren Stil und den Begriff der keramischen Plastik. Zugleich zeichnet das Gespräch die Stationen ihres Lebens zwischen Kunst und Familie nach und beleuchtet ihre Haltung zur Zeitgeschichte.
Alena Fürnberg leiht den Texten von Gertraud Möhwald für diesen Podcast ihre Stimme.
Kunst Ost Frau hören Sie auf Radio Corax UKW 95,9 in Halle, sie finden die Sendung als Podcast auf kunstostfrau.de sowie bei Spotify zum Nachhören.
Kunst Ost Frau ist der Podcast zum Projekt SICHTBAR MACHEN – Ostdeutsche Künstlerinnen 1945 bis 1989 in Sachsen-Anhalt. SICHTBAR MACHEN ist ein Kooperationsprojekt des Dornrosa e.V. und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung.
Produktion:
Helen Hahmann (familieninterview.de)
Bildnachweis: Gertraud Möhwald bei der Arbeit an der „Halbfigur einer jungen Frau“, Halle 1986; Foto E. Goldberg
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